Call for Papers ilinx 5: Brachen

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Herausgeber/innen:
Katja Kynast, Birgit Lettmann, Stephan Zandt

Das fünfte Themenheft der ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft bestellt das unbestimmte, versprengte und vielgestaltige Feld der Brachen. ilinx 5 widmet sich dabei nicht nur den landwirtschaftlichen Brachflächen, sondern ebenfalls den verlassenen Geländen und Reservaten, den Wastelands und Ruderalflächen, den felsigen Hängen, kontaminierten Gebieten, vagen Terrains und fragmentierten Flecken. Die Liste dieser unentschiedenen Orte ist wohl wesentlich nicht abschließbar, die Heterogenität der Phänomene charakterisiert ihr ökologisches wie theoretisches Potential. Gilles Clément hat dementsprechend in seinem „Manifest der dritten Landschaft“ die theoretische und biologische Offenheit der Brache betont. Die Brache ist nicht nur das Gebiet biologischer Invention, sondern kann ebenso als geistiges Brachland und Unbewusstes der Kultur gefasst werden. Wir verstehen den Begriff der Brache entsprechend als einen inhaltlich offenen Denkraum, den wir gleichermaßen so konkret wie möglich zu fassen suchen.

Jenseits ihrer potentiellen Offenheit, ist die Brache aber auch ein Ort des Widerstreits, der sich nur in der Vielfalt der Akteure und ihrer heterogenen Nutzungsmöglichkeiten bestimmen lässt. Was für die einen brach liegt, ist für die anderen ein Nutz- und Lebensraum.

Brachen weisen die Struktur eines Double Bind auf: Auf der einen Seite postindustrielle, fast postapokalyptische Bereiche, geprägt vom Müll der Zivilisation und der Kontaminierung durch den Menschen. Auf der anderen Seite prosperierende Möglichkeitsräume, Biotope für Pionierpflanzen und Experimentierfelder für Kunst- und Kulturschaffende: Tremendum und Fascinosum zugleich, changiert die Brache auch in ihren bildkünstlerischen und literarischen Darstellungen zwischen Tristesse und Vergänglichkeit auf der einen und dynamischen Räumen des Werdens und des florierenden Lebens auf der anderen Seite. Unentschieden in beide Richtungen, markieren die Brachen ein zeitliches, räumliches und imaginäres Dazwischen.

Nicht nur in ökonomischer Hinsicht zeitigt der ungeklärte Status der Brache als nicht genutzter, nicht mehr oder noch nicht genutzter Raum ein auf die Zukunft gerichtetes Versprechen, das in der Lage ist, hochspekulative Werte zu generieren. Hierin wird sie zu einem politisch und ökonomisch umkämpften Feld, um das im Zeichen der Begrenztheit des Raumes und in der Vielfalt der möglichen Aneignungen, Nutzbarmachungen und Aktualisierungen gerungen wird. Was aber ist die Brache als eigene Aktualität, jenseits ihrer zukünftigen Ent-Brachung und geplanten Re-Kultivierung?

ilinx 5 versucht sich an einer Bestimmung, einer Theoretisierung der Brachen, die sie aus ihren Abgrenzungsverhältnissen, aus der Um-Zu-Struktur löst, um ihre Potentiale und Aktualitäten stark zu machen. Hierzu sollen Brachen kulturtheoretisch und -historisch mit anderen nicht institutionell bestellten Flächen verknüpft werden. ilinx 5 möchte deshalb die gegenständlich und disziplinär verstreuten Konzepte und Phänomene zusammenbringen und den Wildwuchs um den Poller (Helmut Höge) mit Ruinen (Hartmut Böhme) und Ruderalflächen verbinden, um zu fragen, in welchem ökologischen, ästhetischen und theoretischen Verhältnis sie stehen.

Vor diesem Hintergrund möchten wir uns dem zumeist noch unbestellten Brachland widmen: dem historischen wie gegenwärtigen, dem kulturellen und ökologischen, ebenso wie dem theoretischen und ästhetischen. Wir haben dabei insbesondere, aber nicht ausschließlich, folgende Schwerpunkte im Blick:

 

Landschaft, Landwirtschaft

Inwiefern die agrarische Praktik, Land unbestellt zu lassen, einen Anachronismus darstellt oder wertvolle Agrartechnik ist, wird seit der Entwicklung von wirksamen Fruchtfolgesystemen und insbesondere seit der Einführung von chemischem Dünger intensiv diskutiert. An diesen Kontroversen lässt sich eine Wissensgeschichte des Bodens (Frank Uekötter) rekonstruieren. So lässt sich der Boden in ganz unterschiedlicher Weise imaginieren: als toter Standort, als „chemische Retorte“, dem künstliche Nährstoffe hinzugefügt werden müssen, oder als lebendiger Schauplatz, an dem sich komplexe Prozesse abspielen. Auch Clément betont die Prozesshaftigkeit und Offenheit der Brachflächen, wenn er sie in seinem Manifest als Ort „lamarckscher Transformationen“ bezeichnet, der es Lebewesen ermöglicht – nicht zuletzt aufgrund seiner ihm eigenen zeitlichen Dimension – neue Lebensweisen zu suchen. Welche Latenzen bergen die Brachen?

An Brachen lassen sich kulturelle Mensch-Boden-Verhältnisse und gesellschaftliche Modelle rekonstruieren. So kann man aus dieser Perspektive ebenso nach der Bedeutung des Sabbatjahrs in den Agrargesetzen der Tora fragen, wie nach seiner Übertragung in der gegenwärtigen Praxis des Sabbaticals. Spezifische Denkmodelle nehmen ihren Ausgang von der Brache. Sie dient als Vorbild für eine „Mentalität des Nicht-Eingreifens“, bei der die „Nicht-Planung als vitales Prinzip“ anerkannt und biologisches gegenüber ökonomischem Wachstum aufgewertet wird (Gilles Clément).

Brachen sind nicht ohne Übergänge und Grenzen denkbar. Welche Praktiken und Imaginationen der Umgrenzung und welche Kultivierungen der Übergänge sind hier wirksam und prägen auch unser Bild von einer Landschaft?

Welche Verbindungen von Landwirtschaft und Landschaft werden denkbar, wenn sie unter dem Aspekt der Brache betrachtet werden? Welche umwelthistorischen, landschaftstheoretischen und -ästhetischen Implikationen und Problematisierungen dieses Phänomens des „Unbestellten“ werden sichtbar?

Lässt sich eine Kunst- und Bildgeschichte der Brache schreiben? Und welche bildtheoretischen Konsequenzen ergeben sich, wenn nicht nur der geplante Landschaftsgarten, sondern auch die Brache berücksichtigt wird? Wie setzt sich die zeitgenössische Kunst in und mit „dritten Landschaften“ auseinander? Welches Ineinander von Natur und Kultur wird beispielsweise in Robert Smithsons Earthworks und Pierre Huyghes „Untilled“ erfahrbar (Juliane Rebentisch)? Und welche filmischen und literarischen Poetiken der Wastelands, Zonen und Zwischenräume lassen sich konturieren?

 

Urbane Brachen, Stadtbrachen

Als Bruchstellen im städtebaulichen Gefüge verweisen Brachen auf die historischen Schichten eines Ortes. Als Spiegel ehemaliger und gegenwärtiger Nutzungen wird Geschichte in und an der Brache archäologisch entzifferbar. Demgegenüber steht die statische, entzeitlichte, „ahistorische Unzeit“ (Burkhard Schäfer), die auf diesen „Unorten“ regiert. Stellt die „Ruine“ eine in verschiedenen Disziplinen verhandelte „kulturelle Gestalt“ dar (Aleida Assmann), an der sich historisches Denken wie auch eine „Archäologie des Wissens“ entwickeln lassen, ist die Frage nach der Archäologie einer quasi zur Ruine gewordenen Landschaft und ihre Bedeutung als Ausgangspunkt historischen Denkens noch wenig beleuchtet.

Gleiches gilt für die Stadtbrache als solche, die einen weit verbreiteten Untersuchungsgegenstand u.a. in stadt-ökologischen, städteplanerischen oder politischen Fallstudien darstellt. Hier muss nach der bedeutungsgenerierenden Wirkung der Stadtbrache als hybridem Raum oder third space gefragt werden. Welchen Machtstrukturen folgen sie? Wie sind Brachflächen in Megastädten wie São Paulo, Karatschi, Shanghai oder Mumbai besetzt und welche unterschiedlichen Strategien gibt es, mit diesen Räumen umzugehen? Daran anschließend lassen sich zudem die Verflechtungsgeschichten des sozialen Werts oder der Wandel in der gesellschaftlichen und kulturspezifischen Wahrnehmung von Brachen rekonstruieren. Selten wurden bislang auch die kulturhistorischen und ästhetischen Umdeutungsstrategien und der Bedeutungswandel untersucht, die sich an und in Brachen vollziehen (Susanne Hauser).

Die terrains vagues des 19. Jahrhunderts, die sich an den Rändern der Großstädte herausbilden, finden ihren Niederschlag nicht nur in der Literatur Balzacs und Nervals (Wolfram Nitsch, Daniel Ritter), die Ruderalfläche dient im Magischen Realismus ebenso wie in der Trümmerliteratur als poetologische Reflexionsfigur (Burkhard Schäfer) und die Brache bildet eines der Milieus beispielsweise des französischen Kriminalfilms (Jacqueline Broich). Zu fragen ist in diesem Kontext danach, welche ästhetischen Auseinandersetzungen und Reflexionen mit und über die urbane Brache stattfinden?

 

Globale Brachen

Die Verbindung zwischen der Potentialität der Brache und Fragen des globalen Raumes ist historisch auf vielfältige Weise hergestellt worden. Von John Locke, der mit dem Argument des Brachliegens und der Nicht-Nutzung des Bodens die Kolonisierung Amerikas rechtfertigen konnte bis zu Clément, für den die Brache das Modell einer entstehenden globalen Landschaft abgibt, hat das Brachland in dieser Hinsicht nichts an Aktualität eingebüßt. Und auch die Konflikte, die sich auf ihm abspielen, sind keineswegs weniger geworden. Anhand der „Tribalen und staatlichen Einstellungen zum Imperata-Gras in Indonesien“ hat etwa Helmut Lukas aus umweltanthropologischer Sicht die verschiedenen politischen und ontologischen Implikationen der Brache im kolonialen und postkolonialen Kontext verdeutlicht. Aber auch im Zuge der sich weltweit intensivierenden Naturschutzbemühungen, die gegen eine Übernutzung der Ressourcen die Brache institutionalisieren, lassen sich vielfältige Konflikte mit lokalen Nutzungen und Sichtweisen ausmachen, die in der Lage sind, einen globalen und universellen Begriff der Brache zu relativieren und zu problematisieren.

ilinx 5 sucht nach den ökonomischen, ökologischen und ontologischen Konflikt- und Verflechtungsgeschichten, die sich in Bezug auf globale Brachen und Brach-Landschaften schreiben lassen. Welche Wandlungen und Transformationen durchläuft das Konzept der Brache und des Brachlandes im Rahmen seiner Globalisierung? Welche Reichweite kann der Begriff der Brache beanspruchen, wenn man seine agrikulturellen Voraussetzungen bedenkt, ebenso wie seine spezifische Sichtweise nicht-anthropogener Räume? Aber auch umgekehrt lässt sich – etwa im Blick auf andere „Zwischenräume“ wie des japanischen satoyama als Raum „zwischen Berg und Stadt“ – fragen, welche Entsprechungen, Konzepte, aber auch Gegenkonzepte und Nivellierungen der Brache sich in anderen Kulturen oder gar Ontologien finden lassen.

 

Zeitschrift / Verfahren

Für das 5. Themenheft der Zeitschrift ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft werden Beiträge gesucht, die das Feld der Brachen bestellen. Wie schon bei den ersten Ausgaben, steht der Name (ilinx, gr. = Wirbel) dabei für den Anspruch, verschiedene Strömungen, Theorien und Materialien aufeinander treffen zu lassen. Es gibt zwei Modi für Beiträge:

1. Wissenschaftliche Aufsätze in deutscher oder englischer Sprache im Umfang von 30-35.000 Zeichen (ca. 15 Druckseiten). Diese Texte durchlaufen ein anonymisiertes Begutachtungsverfahren und werden ein Jahr nach dem Erscheinen der Druckausgabe digital auf der Internetseite von ilinx zugänglich sein.

2. Kürzere Stichworteinträge, essayistische Betrachtungen, künstlerische Beiträge, Interviews mit max. 15.000 Zeichen (ca. 7-8 Druckseiten).

ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft erscheint in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.

Redaktion dieser Ausgabe: Katja Kynast, Birgit Lettmann und Stephan Zandt. Die Redaktion bittet um Abstracts von einer Seite bis zum 23.05.2016 an redaktion.ilinx@googlemail.com.

Die Frist für die im Anschluss angeforderten, fertigen Beiträge ist der 31.08.2016.

www.ilinx-kultur.org

Call for Papers

ilinx 5: Fallows

 

Editors:
Katja Kynast, Birgit Lettmann, Stephan Zandt

The fifth thematic issue of ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft (Berlin Contributions to Cultural Studies) cultivates the indeterminate, scattered and multiform field of fallow lands. ilinx 5 addresses not only agricultural fallow lands, but also abandoned lots and reserves, wastelands and overgrown sites, rocky crags, contaminated zones, vague terrains and fragmented spots. That list of undecided sites could probably go on without end, the heterogeneity of those phenomena characterizes their ecological as well as their theoretical potential. In his “Manifeste du Tiers-paysage” (Manifesto of the Third Landscape) Gilles Clément emphasized the theoretical and biological openness of fallows. Fallows are not only zones of biological invention, but can also be perceived as mental fallow land and the cultural unconscious. We understand the concept of the fallows similarly as an open theoretical and conceptual space and we seek to comprehend that space as concretely as possible.

Beyond their potential openness, fallows are sites of dispute that can only be outlined in the diversity of its protagonists and potential uses. One (wo)man’s fallow land is another’s usable, habitable space.

Fallows exhibit the structure of a double bind: On the one hand, post-industrial, almost post-apocalyptic areas, marked by the waste of civilization and human contamination. On the other hand, thriving zones of potential, biotopias for pioneering plants and experimentation fields for artistic and cultural creators: Tremendum and fascinosum at the same time, in visual as well as literary representations, fallows alternate between sadness and temporariness at one end of the spectrum and dynamic spaces of flourishing life and processes of becoming at the other. Undecided in both directions, fallows mark a temporal, spatial and imaginary liminal space.

The unresolved status of fallows as no longer, not yet or simply not used space brings with it a future-oriented promise which can generate highly speculative values, and this is not restricted to economics. This makes fallows politically and economically contested fields, especially given the finitude of space and the multiplicity of possible appropriations, usages and updates. But what are fallows as a specific phenomenon, apart from their eventual de-fallowing and planned re-cultivation?

ilnix 5 attempts a definition, a theorization of fallows that releases them from their boundaries, from their instrumentality, in order to strengthen their possibilities and actualities. To that end, the publication aims to link fallows culture-theoretically and culture-historically to other zones that are not institutionally cultivated. It wishes to bring together concepts and phenomena that are scattered both physically and across disciplines, connect the wild growth around bollards (Helmut Höge) to ruins (Hartmut Böhme) and overgrown lots, so as to ask how they are related ecologically, aesthetically and theoretically.

Against that backdrop, we wish to address fallows that are for the large part still unworked, whether from a historical or current, cultural, ecological, theoretical or aesthetic point of view. We are considering in particular, but not exclusively, the following main points:

 

Land(scape), Agriculture

Since the development of effective crop rotation systems and especially since the introduction of chemical fertilizers, intense debate has persisted on the extent to which the agrarian practice of leaving land uncultivated is either an anachronism or a valuable agricultural tactic. A land-oriented history of knowledge (Frank Uekötter) can be reconstructed across these controversies. Land can be imagined in completely divergent ways: as a dead location, as an “alembic” to which artificial nutrients have to be added, or as a living theater where complex processes play out. Clément as well emphasizes the processual nature and openness of fallow land, when he calls it in his manifesto a site of “Lamarckian transformations” that enables living beings to seek new modes of existence – not lastly because of its own proper temporal dimension. What lies latent in the fallows?

Fallows allow us to reconstruct both cultural people-land relationships and societal models. From that perspective, one might inquire into the meaning of the Sabbath year in the Torah’s agricultural laws, as well as its carry-over in the contemporary practice of the sabbatical. Specific conceptual models have their origins in the fallows. They serve as paradigms for a “non-interventionalist mentality”, where non-planning is recognized as a “vital principle” and biological growth takes precedence over economic growth (Gilles Clément).

Fallows cannot be conceived in the absence of transitions and limits. Which practices of and ideas for drawing boundaries, which cultivations of transitions are active here? Which of these shape our image of a landscape?

What connections between agriculture and landscape become thinkable when viewed in light of the fallows? What environmental-historical, landscape-theoretical and landscape-aesthetic implications and problematizations of the phenomenon of the “uncultivated” become visible?

Can we write an art and image history of the fallows? And what are the resulting image-theoretical consequences, if we consider not only planned landscaping, but also the fallows? How does contemporary art confront and intervene within “third landscapes”? What conflation of nature and culture can be experienced in Robert Smithson’s earth works and Pierre Huyghe’s “Untilled” (Julian Rebentisch)? And which cinematic and/or literary poetics of wastelands, zones and liminal spaces can be sketched out?

 

City Fallows, Urban Wastelands

As ruptures in the cityscape, urban wastelands hint at the historical layers of a place. Urban wastelands mirror former and current usages, and history can be archaeologically decoded inside and based on those sites. By contrast, a static, de-temporalized “ahistorical untime” (Burkhard Schäfer) reigns at these “unplaces”. Whereas “ruins” constitute a “cultural figure” that has been treated in various disciplines (Aleida Assmann), a figure on the basis of which both historical thinking and an “archaeology of knowledge” can be developed, so far little light has been shed on the question of an archaeology of a landscape that has basically gone to ruin and its meaning as a point of departure for historical thinking.

The same applies to urban wastelands such that they constitute a very common object of examination for case studies in fields like urban ecology, urban planning and politics. This begs the question of the signification-generating effect of urban wastelands in their function as hybrid or third space. What power structures do these follow? How are wastelands in megacities such as São Paulo, Karachi, Shanghai and Mumbai occupied and what different strategies exist for dealing with those spaces? In conjunction with that, the entangled histories of the social value or of the change in societal and culture-specific perceptions of wastelands can be also reconstructed. Up to now, the cultural-historical and aesthetic strategies of reinterpretation and the change in meaning that occur inside and based on wastelands have been rarely examined (Susanne Hauser).

The 19th century terrains vagues that formed on the peripheries of metropolises aren’t only reflected in the literature of Balzac and Nerval (Wolfram Nitsch, Daniel Ritter), the overgrown or bombed-out lot serves as a poetic figure of reflection in both magical realism and Trümmerliteratur (“rubble literature”) (Burkhard Schäfer), and wastelands are one of the archetypal settings in, for instance, French crime film (Jacqueline Broich). In that context, we might ask what aesthetic confrontations with and reflections on urban wastelands and other city fallows take place?

 

Global Fallows

Historically, the connection between the potentiality of the fallows and questions of global space has been drawn in various ways. From John Locke, who was able to justify the colonialization of the Americas with an argument founded on land lying fallow and non-use of land, all the way to Clément, whom the fallows furnish with a model of an emergent global landscape, fallow land appears not to have lost a shred of actuality. The conflicts that play out on that land, as well, have in no way grown fewer. Based on his research on tribal and state perspectives on Imperata grass in Indonesia Helmut Lukas clarified the various political and ontological implications of fallows in colonial and post-colonial contexts from an environmental-anthropological perspective. But in the course of efforts at environmental protection that are intensifying worldwide and institutionalizing the fallows against overuse of resources, diverse conflicts with local uses and views are crystallizing, and they are positioned to relativize and problematize a global and universal concept of the fallows.

ilinx 5 is seeking the economical, ecological and ontological, entangled histories, that can be written in relation to global fallows and fallow landscapes. What changes and transformations does the concept of the fallows and fallow land undergo in the context of its globalization? What scope can that concept claim, if we consider its agricultural premises, as well as its specific perspective on non-anthropogenic spaces? But on the flip side – with an eye perhaps to other “in-between spaces”, like the Japanese satoyama qua space “between mountain and city” – we might ask what correspondences, concepts, or even counter-concepts and levelings of the fallows are to be found in other cultures, even in other ontologies.

 

Journal / Procedure

For the 5th thematic issue of the journal ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft (Berlin Contributions to Cultural Studies), we are looking for pieces that cultivate the field of fallows. As in the first issues, the name (ilinx, Gr. = vortex, whirlpool) stands for an aspiration to allow different currents, theories and materials to bounce off one another. There are two modes of contribution:

1. Academic papers in German or English, ranging from 30,000-35,000 characters (approx. 15 printed pages). These texts are submitted to an anonymous peer review process and will be made accessible on the ilinx website one year after the publication is released.

2. Shorter keyword entries, essayistic observations, artistic contributions, interviews of max. 15,000 characters (approx 7-8 printed pages).

ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft is published in cooperation with the Institut für Kulturwissenschaft (Institute of Cultural History and Theory) at Humboldt-Universität zu Berlin.

Editors for this issue: Katja Kynast, Birgit Lettmann and Stephan Zandt. The editors welcome one-page abstracts no later than 23.05.2016, addressed to redaktion.ilinx@googlemail.com.

The deadline for subsequently confirmed, completed contributions is 31.08.2016

www.ilinx-kultur.org

 

 

 

Call for Papers ilinx 4: Workarounds – Praktiken des Umwegs

HerausgeberInnen:
Holger Brohm, Sebastian Gießmann, Gabriele Schabacher, Sandra Schramke

Die vierte Ausgabe von ilinx widmet sich den Praktiken und Kulturtechniken zielführender Umwege. Unter  „Workarounds“ verstehen wir temporäre Lösungen eines Problems und Improvisationen, mit deren Hilfe nicht nur Fehler in technischen Systemen korrigiert werden, sondern im weiteren Sinne der soziale Alltag bewältigt wird – angesprochen sind die Ausnahmen von der Regel, die erst das Gelingen ermöglichen. Workarounds umgehen auf räumlicher, zeitlicher und auch institutioneller Ebene die formalisierten und regelgeleiteten Abläufe, sie zeigen neue politische, soziale und ästhetische Wege auf. Indem auftretenden Schwierigkeiten ausgewichen und überraschende Verbindungen geschaffen werden, eröffnen sich Handlungsoptionen, während man etwas tut.

Die in der Praxis der Umwege entfalteten spezifischen technischen und ästhetischen Verfahren lassen sich verschiedenen Logiken zuordnen. Schnelle Handlungsabläufe setzen ein spezifisches Können voraus; andere Problemlösungen, die auf eine Rentabilität benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen angelegt sind, zeichnen sich durch Reduktion der Mittel aus. Ebenso resultieren Objekte, die nicht rein auf Funktionalität abzielen, aus komplexen Formen gegenseitiger Umwege und Zweckentfremdungen, daneben existieren Verfahren, deren Kennzeichen in der Umstrukturierung epistemischer Ordnungen liegt.

Workarounds haben als Umwege einem offenen zeitlichen Verlauf; ihre Bewegungen sind nicht vorgezeichnet. Sie sind als bricolage (Claude-Lévi Strauss), als taktische Praktik (Michel de Certeau) und als Auseinandersetzung mit den „normal, natural troubles“ (Harold Garfinkel) beschreibbar. Wir gehen davon aus, dass sie vor allem als kooperatives Phänomen auftreten: Mit welcher Kenntnis von Kniffen, Listigkeiten, Tricks, Drehs, Clous, fortwährend ausgehandelten Regeln der Prozedur, „Reparaturen“ innerhalb von Sprechakten und Interaktion, der Flickschusterei und Frickelei, auch der ,,Nebenabrede“ am Gericht wird der Alltag fortwährend bewerkstelligt? Und wie verstetigen sich diese Zwischenlösungen über längere Zeiträume, wie gehen sie in „Grenzobjekte“ der Zusammenarbeit ein (Susan Leigh Star), werden zu auf Dauer gestellten architektonischen und infrastrukturellen Zwischenlösungen?

Vor diesem Hintergrund laden wir zu Beiträgen ein, die historische wie gegenwärtige kulturelle und ästhetische Praktiken des Umwegs als „Workarounds“ untersuchen. Gedacht ist dabei insbesondere, aber nicht ausschließlich an Studien zu folgenden Schwerpunkten:

1)               „Kooperation“ in Sozial-, Kultur- und Medientheorie

Kooperation, verstanden als „wechselseitige Verfertigung gemeinsamer Abläufe, Ziele oder Mittel“ (Erhard Schüttpelz), entwickelt sich international zu einer Grundlagenfrage der Kulturwissenschaften. Im Mittelpunkt steht dabei die kollektive Formierung von Personen, Zeichen und Dingen in sich wechselseitig überlagernden und bedingenden Praktiken. Wie aber lassen sich die Umwege der Kooperation in actu und in situ beschreiben? Wie werden soziale und kulturelle Tatsachen durch Kooperationsbeziehungen verfertigt? Welche analytischen Konzepte erlauben die Verallgemeinerung kooperativer Interaktion? Was leistet die interdisziplinäre Frage nach dem „Rätsel der menschlichen und nicht-menschlichen Kooperation“ als Vermittlungsinstanz in vergangenen, aktuellen und zukünftigen Wissensformationen?

2)         Spiel und Körpertechniken

Spiele und insbesondere moderne Mannschaftsspiele konstituieren sich als praktischer Vollzug einer komplexen Gesamthandlung unter Beteiligung der unterschiedlichen Ko-Akteure. In der situativen Anpassung antrainierter Bewegungsmuster und Reaktionen im Sinne von Körpertechniken entfaltet sich eine Choreographie des Spiels, die weniger als festgefügte Ordnung denn als strukturierte Improvisation verstanden werden muss, in die Momente des Kontingenten, des Zufalls und der Störung eingeschrieben sind. In welchem Verhältnis stehen die „momentanen Eingebungen“ zu den einstudierten Spielhandlungen, inwieweit verändern sie das Repertoire der Gesten, der Tricks und der Finten und nach welchen Kriterien wird ihr Gelingen bemessen?

3)         Infrastrukturen und Objekte

Infrastrukturen sind ein genuiner Schauplatz für Praktiken des Umwegs. Im Alltagsverständnis gelten Infrastrukturen als technisch fixierte und sozial stabile Formationen, allerdings verdanken sie diesen Zustand einer stetigen Bearbeitung. Nicht nur entstehen sie in mühsamen Prozessen der Aushandlung von Standards und der Einführung von Technologien, Infrastrukturen müssen auch nach ihrer Etablierung beständig gewartet, gepflegt und repariert werden. Sogenannte „Workarounds“ stellen Prozeduren und Artefakte bereit, die infrastrukturelle Netzwerke in doppelter Hinsicht betreffen: Praktiken des Umwegs können einerseits das Funktionieren von Infrastrukturen sicherstellen, andererseits gelingt es ihnen ggf. auch, Funktionsvorgaben effektiv zu umgehen. Wie genau aber gewährleisten Workarounds die Aufrechterhaltung (medialer) Infrastrukturen? Inwiefern stellen Praktiken des Umwegs ein implizites Wissen über infrastrukturelle Zusammenhänge bereit? Welche Objekte und Artefakte können als Workarounds für Infrastrukturen figurieren?

4)         Räume und Architekturen

Architekturen sind in ihrer Genealogie und Bewirtschaftung stabilen Praktiken wie etwa Konstruktionsgesetzen oder Rechtsordnungen unterworfen. Nichtsdestotrotz entstehen neue Räume immer dort, wo mit unterschiedlicher Motivation Umwege gegangen werden, die sich ästhetisch niederschlagen und nicht selten neue Raum- wie auch Zeitordnungen mit sich bringen. Wir fragen danach, welche Charakteristika den Konventionen von Architektur zugrunde liegen und mit welchen Mitteln diese umgangen werden? Angesprochen sind gleichermaßen die Logiken der Konzeption, Produktion und Vermittlung von Architektur wie auch die ihnen zugrunde liegenden symbolischen Ordnungen.

Mit dem geplanten Themenheft schließt ilinx zum einen direkt an die vorherige Ausgabe 3 zu Ökonomischen Praktiken an. Zum anderen setzt das kommende Heft die kulturtheoretische Beschäftigung mit Figuren des Wissens fort, die wie der namensgebende Wirbel durch kurzfristige Verwirrung zu neuen Erkenntnissen führen.

Zeitschrift / Verfahren

Der Name (ilinx, gr. = Wirbel) steht für den Anspruch, verschiedene Strömungen, Theorien und Materialien aufeinander treffen zu lassen. Für ilinx 4 werden Texte gesucht, die von konkreten Praktiken des Umwegs ausgehen. Es gibt zwei Modi für Beiträge:

1) Wissenschaftliche Aufsätze in deutscher oder englischer Sprache im Umfang von 30.000-35.000 Zeichen (ca. 15 Druckseiten). Diese Texte durchlaufen ein anonymisiertes Begutachtungsverfahren und werden ein Jahr nach dem Erscheinen der Druckausgabe digital auf der Internetseite von ilinx zugänglich sein.

2) Kürzere Stichworteinträge, essayistische Betrachtungen, künstlerische Beiträge oder Interviews mit max. 15.000 Zeichen (ca. 7-8 Druckseiten).

ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft erscheint in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Heft 4 entsteht in Zusammenarbeit mit dem Siegener Graduiertenkolleg „Locating Media“ und der AG „Medien der Kooperation“. Redaktion dieser Ausgabe: Sebastian Gießmann (Siegen), Gabriele Schabacher (Weimar), Holger Brohm und Sandra Schramke (Berlin).

Erbeten werden Abstracts von einer Seite bis zum 23. März 2015 an redaktion.ilinx@googlemail.com.
Die Frist für die im Anschluss angeforderten, fertigen Beiträge ist der 30. Juni 2014.

www.ilinx-kultur.org
redaktion.ilinx@googlemail.com

 

ilinx 3 “Ökonomische Praktiken” erschienen

Ab jetzt bestellbar in Eurem Buchladen | beim Philo Fine Arts Verlag, deye(at)philo-fine-arts.de | notfalls online, im netz.

Mit Entschuldigung der Red. an Sebastian Schwesinger für die fehlerhafte Abbildung: Anbei die neue Version!

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Anna Echterhölter, Dietmar Kammerer, Rebekka Ladewig (Hg.):  ilinx — Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft 3 / 2013. Ökonomische Praktiken, Philo Fine Arts, Hamburg. 192 S., 14 €, ISBN: 978-3-86572-592-9

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Gelegenheiten nutzen! Releasefeier ilinx 3 – Ökonomische Praktiken

Zur Feier von ilinx 3, von Euch und uns, kommt alle ins “Gelegenheiten”

Samstag 15.12.2012

Weserstraße 50 (Weser/Ecke/Elbe), Berlin Neukölln, 21 Uhr

“Ökonomische Praktiken” live: ausgehen, rumstehen, abspielen, ausklinken, nachts Zeitschriften kaufen weil der Eintritt frei ist…

 

Sensible Sammlungen bei »Die Therapie«

Aus dem anthropologischen Depot

Britta Lange und Margit Berner sprechen über ihr Buch »Sensible Sammlungen«, den ersten Band der ilinx-kollaborationen, im Rahmen der Veranstaltungsreihe: »Die Therapie«. Erneut wird es um die Frage der Anthropologica gehen, die als »sensible Objekte« in den Depots der Museen eingelagert sind. Was wäre ein möglicher Umgang mit diesen Sammlungsstücken?


3.10.2012, 15 Uhr
ZKU – Zentrum für Kunst und Urbanistik

Siemensstrasse 27, 
10551 Berlin
-Moabit
www.zku-berlin.org

Im Vorlauf der Tagung »Sammeln und Bewahren, Erforschen und Zurückgeben – ‘Human Remains’ aus der Kolonialzeit in akademischen und musealen Sammlungen«, bei der beide Autorinnen ebenfalls sprechen werden. 4.-6. Oktober 2012, in der Anatomie der Charité, Berlin