Auftakt

Bereits auf der Eingangsseite seines ersten Buches Die mechanische Braut erprobt Marshall McLuhan eine andere Art und Weise, die eigene Kultur der Gegenwart zu befragen. Wie arrangiert man die ‚Volkskultur‘, das folklore des industriellen Menschen, wie kartiert man dessen Mentalität? Die Antwort des kanadischen Literaturwissenschaftlers und Medientheoretikers stellt sich über das gesamte Buch als ein Längsschnitt durch Werbung und Popkultur um 1950 dar; ein Tableau, dessen Erstellung er selbst poetologisch auf Edgar Allan Poes Maelstrom-Erzählung zurückführt:

„Poes Seemann rettete sich, indem er die Dynamik des Strudels studierte und sie sich zunutze machte. In ähnlicher Weise unternimmt auch das vorliegende Buch weniger den Versuch, gegen die beachtlichen Strömungs- und Druckkräfte anzukämpfen, die sich durch die mechanischen Einwirkungen von Presse, Radio, Kino und Werbung um uns herum aufgebaut haben. Vielmehr versucht es, seine Leser in den Mittelpunkt eines durch die Kräfte in Rotation versetzten Bildes zu stellen, von wo aus er die Vorgänge beobachten kann, die gerade ablaufen und in die jeder verwickelt ist.“

McLuhans spielerisches Verfahren, das physikalische Referenz und poetische Fiktion über den Verweis auf Poes Maelstrom-Szenario kurzschließt, führt mitten in den Wirbel hinein. Der Versuch, den Leser in den ruhenden Mittelpunkt eines rotierenden Bewegungsbildes zu stellen, hintergeht dabei strategisch all diejenigen Standpunkte, welche sich auf reine Zuschauerpositionen oder gar – wissenschaftshistorisch nur wenig später – auf Beobachtungen von Beobachtungen zurückziehen wollen. Anstelle des berühmten Zuschauers im Angesicht des Schiffbruches steht, in aller Abgründigkeit, Edgar Allans Poes nur knapp überlebender Seemann aus A Descent into the Maelstrom (1841). Die Ruhe im Auge des Sturms ist trügerisch. Gleichwohl erlaubt sie eine Form von momenthafter Erkenntnis, deren Charakter sich durch den fortwährenden Entzug des Ereignisses  auszeichnet: „Eine wirbelnde Phantasmagorie kann nur begriffen werden, wenn sie zur Betrachtung festgehalten wird. Und genau dieses Festhalten ist zugleich eine Befreiung aus dem sonstigen Zusammenhang.“