Mimesis und Camouflage. Die Arbeiten von Desiree Palmen im Kontext der Visuellen Anthropologie

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Die niederländische Künstlerin Desiree Palmen arbeitet mit Techniken der Camouflage. Sie fotografiert bestimmte urbane Orte, Landschaften oder Szenarien und malt die entstandenen Bilder per Hand, vorwiegend mit Acrylfarben, auf einen Anzug. Anschließend fotografiert und filmt sie Modelle in diesen Tarnanzügen an den Orten, an denen die ursprünglichen Fotografien entstanden sind. Ziel dabei ist, dass das Modell so gut wie möglich visuell mit dem Ort verschmilzt. In ihrer Jerusalem-Reihe Old City Suit versteckt Desiree Palmen beispielsweise Passanten mitten in den gepflasterten Gassen Jerusalems, indem sie ihnen Tarnanzüge anzieht, die Pflastersteine täuschend echt imitieren. Anschließend dokumentiert sie die nicht-inszenierten spontanen Straßenszenen sowie die Reaktion der Passanten fotografisch und mittels Videoaufnahmen. Ihre Kameras werden dabei auf einer Überwachungskamera positioniert und erzeugen neue „Bilder der Überwachung“, die sozusagen das Austricksen der Überwachung beobachten. Palmen beobachtet das Machtgefälle zwischen staatlicher Überwachung (immanenter Sanktion) und den sich dieser Macht (mittels Tarnung) entziehenden Subjekten. Mit ihren Camouflage-Anzügen zeigt sie das Unbehagen der Menschen an den durch sie selbst mitkontrollierten Praktiken der Überwachung und an den kulturell überlieferten, täglich in der Praxis neu ‚aufgeführten‘ Verhaltenscodices.