Wasser, Stein und Automaten. Die Grotten von Pratolino oder der Fürst als Demiurg

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Der von Francesco I. de’Medici initiierte und durch Bernardo Buontalenti in den Jahren 1569–1585 realisierte Villen- und Parkkomplex von Pratolino, der heute leider nur noch spärliche Reste seiner früheren Gestaltung aufweist, wurde schon zur Bauzeit aufgrund seiner monumentalen künstlichen Grotten Legende und erhielt umgehend Vorbildcharakter für die gesamte europäische Garten- und Grottenarchitektur. Mit dem im Italien des Cinquecento entstehenden und nicht zuletzt auf spektakuläre zeitgenössische archäologische Funde reagierenden Bautypus der künstlichen Grotte lebt der antike Topos des Wettstreits zwischen Kunst und Natur ab Mitte des Jahrhunderts vor allem in Florenz erneut eindrucksvoll auf. Die Grotte verbindet den Anspruch des exklusiven Gesamtkunstwerks mit naturwissenschaftlichen, mechanischen, geologisch-kosmologischen und mystischen Vorstellungen und geht dabei über das reine Abbilden, über die bloße Nachahmung der Natur weit hinaus. Vielmehr beruht sie mit ihrer parallelen Welterzeugung auf dem Gedanken eines schöpferischen Ortes, an dem Wissen und Experiment, Altes und Neues, Kalkül und Überraschung auf einzigartige Weise Synergieeffekte hervorzubringen vermögen.