Die Struktur des Sparens als Ausdruck von Kultur. Eine Herleitung über die Geldentstehung

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Das Sparen als Kulturtechnik ist dem theoretischen Ökonomen zunächst fremd. Im Bereich der Makroökonomie wird die Ersparnis als Differenz zwischen gesamtwirtschaftlichem Einkommen und Konsum beschrieben. Diese Rechnung lässt sich noch um die Staatstätigkeit und gegebenenfalls die Nettoexporte ergänzen. Im Anschluss würde man diskutieren, inwieweit Ersparnis und Investition zu trennen sind. Und wollte man sich weiter in Richtung eines vollständigen Modells bewegen, so schlössen sich eine Produktions- und vielleicht eine Zinstheorie an. Schließlich könnten als Ergebnis eines abgeschlossenen Modells Ersparnis und Investitionstätigkeit eine endogene und dynamische Entwicklung nehmen. Im Folgenden soll nicht eine ökonomische Theorie dargelegt werden, die Ersparnis über die Parameter der Zeitpräferenz und Risikoaversion erklärt. Stattdessen wird der Versuch unternommen zu zeigen, wie sich der soziokulturelle Hintergrund der Geldentstehung und damit des Geldes – nach Wilhelm Gerloff also die Hortung – in die Kategorie des Sparens übersetzt und in die ökonomische Theorie Eingang findet. Nach Gerloff ist der Urtrieb nach Geltung Grund für die Hortung von Gütern, welche einen von der Gesellschaft bestimmten Wert besitzen und somit geeignet sind, das Bedürfnis nach Geltung zu befriedigen. Werden diese Güter nun im Rahmen soziokultureller Anlässe (zum Beispiel Brautkauf, Wergeld, Opfergabe) zunehmend verwendet, so gewinnen sie Geldcharakter. Sie werden zu Hortgeld, dem ersten Geld. Geld wäre damit nicht Ergebnis des Marktes, nicht Produkt praktischer Rationalität, welche es zur Vereinfachung des Tausches oder durch Gebot des Staates hervorgebracht hätte, sondern „Schöpfung sozialen Handelns“. Es bestand also in der Regel vor dem Markt.