Watch your attitude, young lady. Die Vorstellung der Histrionikerin und die Hysterie der Schönen Seele, von Emma Hamilton zu Augustine

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1980 verschwindet aus der dritten Auflage des Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders (DSM-III), dem weltweit genutzten Klassifikationshandbuch für psychische Störungen, der Eintrag zur „Hysterie“ unbeobachtet durch die Hintertür aus dem pathologischen Katalog. Stattdessen firmiert das ehemals hysterische Krankheitsbild von nun an als HPS, Histrionic Personality Disorder. Diese Diagnose lässt zwar homophon ihre Vorgängerin anklingen, leitet sich jedoch aus einer vollständig unabhängigen Etymologie her. Nicht mehr die griechische Gebärmutter, hystera, ist Sitz der Krankheit, vielmehr wird der etruskisch-lateinische Schauspieler, histrio, zum Schutzheiligen der hysterischen Symptome: dramatisches und theatralisches Auftreten; übertriebener Ausdruck und schneller Wechsel von Gefühlen; Suggestibilität und Oberflächlichkeit; das Bedürfnis, ständig im Mittelpunkt zu stehen, und unangemessen verführerisches Verhalten.