abstract
Taking Roger Caillois’ concept of “ilinx” as a starting point, the article deals with play theory in the 20th century. It reconstructs Caillois’ main work Man, Play and Games (1958), including his famous categorization of games along the conceptual lines of agôn,alea, mimicry, and ilinx. It contrasts this surrealist, post-humanist theory of play with Johan Huizinga’s Homo Ludens (1938), and reconstructs its affinities with Georges Bataille. In so doing, the paper shows how Caillois’ theory operates and unveils the dynamics of positivity that are inherent in his examination of fairground rides like the “Original-Rotor.”keywords
Caillois, dizzyness, inebriation, rotation, rush, theory of play, vertigo„Der Mensch wurde erst in dem
Augenblick möglich, in dem ein Wesen,
von unüberwindlichem Schwindel
erfasst, mit aller Kraft versuchte,
nein zu sagen.“ —
Georges Bataille, Die Erotik
Der Mensch begegnet den Sensationen des Rausches und Schwindels also
mit einem entschiedenen Jein. Gewiss gehört die Ambivalenz dieser
Sensationen zu den ersten Menschenvergnügen überhaupt; überall auf
der Welt wollen kleine Babys, noch ehe sie ein Bein auf die Erde bekommen,
herumgeschleudert, -geworfen und hochgejubelt werden. Wenn
der Mensch anfangs auch sonst nicht genau weiß, was er auf dieser Erde
zu suchen hat – den Rausch des Schwindels und der Geschwindigkeit
sucht er auf jeden Fall.1 Derartige Erfahrungen zu untersuchen, heißt
nichts anderes, als die theoretische Dezentrierung des Subjekts buchstäblich
zu behandeln.
Das Münchner Oktoberfest des Jahres 1949 stellt die archaische Frage
nach den übermenschlichen Gewalten, die Menschen wie Blätter im
Wind herumwirbeln, von einer anthropologischen auf eine technische
Grundlage. Auf der Wiesn dieses Jahres kommt erstmals das Patent mit
der Nummer 819520 zum Einsatz.