Im Auge des Zyklons. Vom chemischen Rausch und dem psychotropen Spiel mit sich

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Zahlreiche Praktiken fallen unter Roger Caillois’ Begriff des ilinx, altgriechisch für „ Wasserwirbel“ und das „Wirbeln“, mit dem er 1958 die Rauschspiele zusammenfasst und in die kulturwissenschaftliche Spieltheorie des 20. Jahrhunderts einführt. Caillois zufolge rufen vor allem verschiedene Bewegungsformen den Rausch hervor, womit er sich ganz im Einklang mit der Etymologie des deutschen Begriffs befindet. Der physische Rausch – so Caillois – wird durch verschiedene Bewegungsmodalitäten erzeugt: Drehen, Tanzen, Schweben, Gleiten, Fallen und Beschleunigen. Eine besondere Rolle nehmen unter den von ihm gegebenen Beispielen Jahrmarktsattraktionen ein, wie sie mit der Industrialisierung aufgekommen sind, da erst an ihnen diese Spielkategorie als solche hervorgetreten sei. Neben dem durch Bewegung evozierten physischen Rausch spricht Caillois auch von zwei weiteren Modalitäten der Rauschgenese. Zum einen verweist er auf einen moralischen Rausch – die plötzliche Besessenheit und seltsame Erregung, die Erwachsene oft bei transgressiven Handlungen erleben. Zum anderen erwähnt Caillois die chemische Rauschgenese, zu der er ein äußerst ambivalentes Verhältnis hat. Während er die „Trunkenheit“ zum ilinx zählt, charakterisiert er sie zugleich, mit einer für moderne Spieltheoretiker typischen Geste, als eine „Korruption“ bzw. „Perversion“ dieser Spielkategorie. Beim Alkohol- bzw. Rauschmittelkonsum, so Caillois, „vollzieht sich der Rausch weder außerhalb der Wirklichkeit noch abgetrennt von ihr; er ist vielmehr in sie eingebaut und entwickelt sich in ihr“. Ihm zufolge kommt es zu einer dem zivilisatorischen Fortschritt abträglichen Verirrung, wenn das Spiel nicht in einem hierzu vorgesehenen räumlichen und zeitlichen Rahmen stattfindet, wie auf dem Gelände des Jahrmarkts. Dann entfalte die jeweilige Triebfeder des Spiels – Wettkampf, Zufall, Maskerade oder eben Rausch – eine „absolute Herrschaft“, wobei ilinx aufgrund seiner Intensität das größte Gefahrenpotential berge...