Ökonomische Praktiken

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Der langen Reihe ökonomienaher Praktiken, die von den Trobriand-Inseln bekannt sind, hat Annette B. Weiner Jahrzehnte nach Bronisław Malinowskis Studie zahlreiche weiblich codierte Tauschformen hinzugefügt. So beschreibt sie etwa geflochtene Bündel aus Bananenblättern, die bei Begräbnisfeierlichkeiten in möglichst großer Anzahl öffentlich verteilt werden und dem Entgelten von Trauerdienstleistungen dienen. Viel Geld, aber auch Vieh, wird von den betroffenen Familien in den Erwerb dieser vom Material her wertlos erscheinenden Zeichen des women’s wealth investiert. Sie sind hierin dem Papiergeld vergleichbar und taugen zu begrenzten Interaktionen nach der Zeremonie, veralten jedoch schnell, sodass es nicht möglich ist, sie als eine stabile Währung der Trauer anzusprechen. Zumeist bleiben die „kommunikativen sozialen Akte“ des Tausches, dieser Grundform ökonomischer Praktiken, in ihrem Voraussetzungsreichtum unauffällig – ihre Überformung durch die Konzepte der ökonomischen Theoriebildung bleibt ebenso verborgen wie die Prozesse der Realabstraktion, auf denen sie beruhen. In den skeptischen Bemerkungen jedoch, die ein trobriandischer Informant gegenüber Weiner über diesen symbolischen Aufwand verliert, 3 wird die Produktion von Wert für einen Moment sichtbar und fragwürdig. Hier zeigt sich der Vereinbarungscharakter des women’s wealth ebenso wie eine sich ankündigende Wirksamkeit ökonomischer Urteilsstandards, die in industrialisierten Gesellschaften praktisch aufrechterhalten werden.