abstract
Phantoms can be seen as sensual phenomena that question the limits of knowledge. They are present in dreams, states of inattention or absences of mind. That makes them both fascinating and dangerous objects, which have the power to lead the subject astray and provoke vertigo. The article discusses the important role that phantoms play in philosophy, literature, and film, with regards to the oscillation between appearance and reality, as well as fact and fiction. It shows how uncanny encounters with phantoms haunt Maurice Merleau-Ponty’s phenomenology, Siegfried Kracauer’s essays and Friedrich Wilhelm Murnau’s film Phantom in different ways, and uses these encounters with the dark to reflect on the thinking about, writing on and seeing of phantoms.keywords
appearance, knowledge, phantom, sensual perception, vertigoEin Phantom ist das, was nicht loslässt, in Gestalt einer trügerischen Vergangenheit,
die nicht aufhört, oder einer verheißenen Zukunft, die nicht
anfängt. Es gehört allen und keinem, es berührt, ohne nah zu sein – eine
Erscheinung, mal Trugbild, mal Gespenst oder Geist genannt, die schwer
in Begriff und Form zu fassen ist. Als Figur(ation)en des Ungewissen
machen Phantome die labilen Grenzen des Wissbaren kenntlich. Das
macht sie so anziehend wie gefährlich. Phantome sind zuerst und zuletzt
Phänomene der Wahrnehmung, des Sehens und des Hörens, Gestalt bzw.
Gehör gewordene innere Bilder bzw. Stimmen, die Herrschaft erlangen
können über das Denken. Als „analogische Vorstellungen unserer Sinne“
hat Immanuel Kant diese Erscheinungen in seiner 1766 erschienenen
Schrift Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
bezeichnet.1 Sie gelten deshalb nicht umsonst als Agenten der wiederholten
(Selbst-)Täuschung, denen das sich selbst regulierende Subjekt
der Moderne ständig ausgesetzt ist. Phantome sind hartnäckig wiederkehrende
Erscheinungen, es gibt sie nur im Modus der Wiederholung,
der sie prozessiert. Es verbietet sich von daher eigentlich, von ihnen im
Singular zu sprechen: In Momenten der Unachtsamkeit, der Geistesabwesenheit
oder des Traums sind Phantome zur Stelle und erinnern daran,
dass die Grenze zwischen Wissen und Nichtwissen eine ungewisse ist –