Psychologie als Überlebensstrategie. Die Evolution der Demokratie nach Friedrich Nietzsche

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Die Tarnung der Tiere hat Menschen von jeher in ihren Bann geschlagen. Man denke etwa an die Blättern und Zweigen ähnelnden Phasmiden, die auch Gespenstschrecken genannt werden. Für diese und ähnliche Phänomene wird in der deutschsprachigen Biologie der Begriff der Mimese verwendet. Als Kriterium gilt, dass dabei keine optischen Signale ausgesendet werden, was ihren Charakter als Tarnung ausmacht. Bevor der Begriff der Mimese sich in den 1960er Jahren als Fachterminus durchsetzt, fallen die Tarnphänomene unter den Begriff der Mimikry (engl.: mimicry, franz.: mimétisme). Mimikry ist eines der bekanntesten Phänomene in der Geschichte der Evolutionsbiologie. Kurz nach seiner Einführung in die Biologie wurde der Begriff auch auf das Wissen vom Menschen ausgeweitet. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Friedrich Nietzsche. In einigen seiner Schriften aus den 1880er Jahren beschäftigt sich Nietzsche mit dem Phänomen der Mimikry. Das biologische Phänomen schien ihm geeignet, seine These zu untermauern, dass es gerade der Mensch in der Kunst der Tarnung und des Versteckspielens zur wahren Meisterschaft gebracht hat. Darüber hinaus vermeint er in der Mimikry jene Fähigkeit auszumachen, die die Grundlage für das demokratische Zusammenleben bildet.