Rotoren und Leewellen. Figuren der (In-)Stabilität um 1937

Rübezahl, der uralte Herr des Riesengebirges, wird noch in älteren Darstellungen oft mit den ungestümen Erscheinungen der rauhen Natur verbunden. Bevor Johannes Praetorius in seiner Daemonologia Rubinzalii Silesii von 1662 ihm den reinen „Elementarischen Leib“ absprach und ihn zu einer vielgestaltigen, schalkhaften Figur der Volkssage tradierte und in der Folge Johann Karl August Musäus als schlesischen Kobold in die bürgerliche Literatur entführte, bezeugten bereits Caspar Schwenckfeld und Nicolaus Henel Rübezahls Dasein als Wettergeist.
Noch Ende des 19. Jahrhunderts wird er in Meyers Konversationslexikon u. a. als „der (wunderliche) ‚Wetterherr‘ des Riesengebirges“ beschrieben: „Unerwartet (neckisch) sendet er Blitz und Donner, Nebel, Regen und Schnee vom Berg nieder, während eben noch alles im Sonnenglanz lag. Er nimmt die verschiedensten Gestalten an, besonders zeigt er sich als Mönch in aschgrauer Kutte (Wodan im Wolkenmantel) auf dem Berg und hält ein Saitenspiel in der Hand (die Sturmesharfe)“. Eine der vielen Etymologien seines rätselhaften Namens ist denn auch „Hriob Zagel“, ein aus dem Althochdeutschen und Tschechischen komponierter Begriff für „rauher Sturm“. Ob nun stürmendes Wettergespenst oder koboldhafter Bergschrat, gleichlautend ist allemal der launische und wechselhafte Charakter der Figur. Rübezahl ist unberechenbar und als solcher durchaus auch immer Personifikation des für das Riesengebirge so charakteristischen, häufigen Wetterumschwungs: „Heute der wärmste Freund, morgen fremd und kalt“. Er, das Gebirge selbst, ist Wettermacher.