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utopia stock exchange – Ein Crashkurs für Projektemacher, Spekulanten und Hochstapler entstand nach einer Idee und unter der Leitung von Caroline Hochleichter und Jutta Wangemann als Abschlussveranstaltung des Festivals Palast der Projekte© am Theater Hebbel am Ufer (hau), Berlin. Für das Game-Design war der Autor dieses Textes verantwortlich. Vgl. http://utopiastockexchange.com (zuletzt aufgerufen am 15. 05. 2009).Am 18. April 2008, als der Welt das Ausmaß ihrer aktuellen finanziellen Instabilität noch nicht bewusst war, wurde auf dem Parkett des Berliner Hebbel-Theaters unter kontrollierten Bedingungen ein Experiment durchgeführt, das die Utopie der Börse mit einer Börse für Utopien zusammenprallen ließ: Utopia Stock Exchange (use). Auf Grundlage einer verteilten, vernetzten digitalen Handelsplattform kauften und verkauften Teilnehmer in vier Handelsphasen zwischen 19:30 und 22:00 Uhr Anteile an zehn utopischen Ideen, die Berliner Bürger zuvor eingereicht hatten. In den Pausen zwischen den Handelsphasen wurden einzelne Utopien auf der Theaterbühne einer performativen Realitätsprüfung unterzogen. Im Verlauf des Abends führten 531 Transaktionen zu einer Neuverteilung des insgesamt eingesetzten Vermögens von 717,13 € und zu einer kollektiven Bewertung der Utopien. Bei Börsenschluss waren Anteile der Utopie Ich bin wir sind glücklich – Programm zum Glücklichsein ohne Grund etwa doppelt so teuer wie die von Riesenrutsche – Bau der größten Rutsche der Welt über dem Alex.
Gestützt auf die Auswertung der im Verlauf von use durch das Computersystem protokollierten Handelsdaten (und nach einem Prozess kulturwissenschaftlicher Analyse) können hier erstmals Ergebnisse des Experiments präsentiert werden. Es zeigt sich, dass die Teilnehmer, die user, es mit einer dreifachen Verschränkung von Schwindel und Handeln zu tun hatten. Erstens ergab sich diese Verschränkung aus den durch die Handelsplattform implementierten Regeln. Nur wer den Schwindel angesichts eines möglichen freien Falls der Kurse und des Verlusts von Eigenkapital handeln konnte (im Sinne des englischen to handle), war erfolgreich. Zweitens durch die Anforderungen, die aus dem Prozess des spekulativen Handelsvollzugs hervorgingen. Nur wer dem Versprechen des Utopischen nicht erlag und in der Lage war, den Schwindel der anderen für sich zu nutzen, handelte profitabel (indem er selbst schwindelte). Und drittens bezogen auf den Schwindel, der dem kollektiven Handeln auf transmedialen Handlungsplattformen als konstitutives Element innewohnt…