“We stand upon the brink of a precipice.
We peer into the abyss – we grow sick
and dizzy. Our first impulse is to shrink
from the danger. Unaccountably we remain.”
Edgar Allan Poe
Im Jahr 1958 steckt das amerikanische Kino in einer kreativen Rezession. Die politische
Paranoia des McCarthyismus und die Angst davor, als „unamerikanisch“ gebrandmarkt
zu werden, halten viele Regisseure in Hollywood davon ab, innovative Wege zu beschreiten.
Darüber hinaus macht das Fernsehen, als immer mächtiger werdender Konkurrent,
die Situation nicht einfacher. Mit farbigen Breitwandformaten wie CinemaScope und
VistaVision versuchen die Filmstudios in den 1950ern, die Menschen zurück in die Kinos
zu locken. Dabei verlassen sie sich neben Monumentalfilmen, etwa DeMilles The Ten
Commandments oder Wylers Ben-Hur, vor allem auf konservative Genres wie Musicals,
Western und Komödien. Einem Filmemacher jedoch gelingt es, in dieser Phase des künstlerischen Stillstands eines seiner größten Meisterwerke zu erschaffen. Im Mai 1958 bringt Alfred Hitchcock einen Film in die Lichtspielhäuser, der insbesondere aus heutiger Sicht zu den filmhistorischen Höhepunkten zählt und als Bindeglied zwischen klassischem und modernem Kino betrachtet werden kann: Vertigo…